| Veranstaltung: | Landesdelegiertenversammlung (LDV) am 7. November 2026 in Bingen a. Rhein |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 4.1. Wahl der Delegierten für den Bundesfrauenrat |
| Antragsteller*in: | Leni Walmroth |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 18.10.2026, 10:28 |
BuFrauRa-1: Leni Walmroth
Bewerbung auf Position
Delegierte für den Bundesfrauenrat
Bewerbung
“Heute bedeutet Feminismus Hass, Männerhass, Hass gegen die gesellschaftliche Ordnung und Ordnungshüter, Hass gegen das System, gegen den Staat, Feminismus ist gleich Terrorismus.”
– Rebekka Endler (Witches, Bitches, It-Girls)
Rebekka Endler bringt auf den Punkt, wie der gesellschaftliche Diskurs derzeit zu kippen droht: Feminismus wird gezielt diffamiert, zur Bewegung der Spaltung erklärt und selbst in progressiven Räumen als strategisch unklug, “zu anstrengend” oder “zu radikal” abgetan.
Das halte ich für einen fatalen Trugschluss.
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir den Kampf gegen Rechts nur gewinnen können, wenn wir uns immer wieder zum Feminismus bekennen und ihn als das, was er immer schon war, leben. Feminismus war nie ein nettes Wohlfühl-Label oder eine leere Worthülse. Er war, ist und bleibt ein intersektionaler Kampfbegriff, der seit jeher für gleiche Rechte für alle, Emanzipation und soziale Gerechtigkeit steht.
Wir als intersektional queerfeministische Partei Bündnis 90/Die Grünen dürfen uns nicht wegducken, sondern müssen gerade in diesen Zeiten eine klare Haltung beziehen und dieses Leitbild auch radikal glaubhaft als Grundpfeiler unserer politischen Praxis nach innen & außen leben. Das bedeutet für mich:
Feministische Klarheit nach außen
Immer wieder wird von jungen Männer gesprochen, die nach rechts abdriften und wie wir sie, scheinbar um jeden Preis, zurückgewinnen können. Doch während sich Debatten fast ausschließlich darum drehen, verlieren wir junge Frauen und Queers an andere progressive Kräfte oder an die Resignation. Dabei ist doch klar: Feminismus ist kein Nischenthema für die hinteren Seiten im Programm; er muss unsere Antwort auf autoritäre Rollenbilder, Gewalt und soziale Ungleichheit sein. Wir wollen mit unserer intersektional feministischen Programmatik alle ansprechen, junge Menschen genauso wie ältere Generationen.
Wir sind eine verlässliche Anlaufstelle für alle, die Angst vor dem Erstarken der AfD haben. Ein sicherer Ort für Queers, für Frauen, für alle Menschen, sich so zu entfalten, wie sie sind. Eine Stimme, die laut wird, wenn andere leise gemacht werden oder sich nicht mehr trauen, für ihre Rechte einzustehen. Eine Kraft, auf die man sich verlassen kann.
Feministische Verantwortung nach innen
Dazu gehört, dass wir kompromisslos feministisch handeln. Denn auch innerparteilich müssen wir unserer feministischen Verantwortung stärker gerecht werden. Glaubwürdigkeit nach außen beginnt im eigenen Handeln. Es reicht nämlich nicht, das Frauenstatut formal zu verwalten. Wir müssen strukturell ran: Von Debatten um moderne Männlichkeit, über das ständige in Frage stellen des Frauenstatus, das Verteilen der Redezeit bis hin zur Führung und grundsätzlichen Ausrichtung der Arbeit unserer Partei.
Hier bin ich im letzten Jahr bereits den ersten Schritt gegangen: Gemeinsam mit der Sprecherin der BAG Frauenpolitik habe ich einen Antrag für den Bundesfrauenrat geschrieben, der die feministische Führungskompetenz innerhalb unserer Strukturen fest verankert. Der Prozess ist mittlerweile in vollem Gang: Mit Expert*innen und verschiedenen Gremien erarbeiten wir eine innerparteiliche Definition feministischer Führung und konzipieren in einem nächsten Schritt Workshops für Amts- & Mandatsträger*innen.
Ich bewerbe mich erneut für die Delegation zum Bundesfrauenrat, um diesen begonnenen Prozess zu Ende zu führen und um dem Bundesfrauenrat die Rolle zu geben, die er in diesen Zeiten braucht: Er darf kein Verwaltungsgremium werden, sondern muss der Raum sein, der unserer Partei die feministischen Grundsätze wieder selbstbewusst auf die Fahne schreibt.
Klar ist aber auch: Diesen Herausforderungen kann niemand alleine begegnen und wir lösen die Konflikte nicht allein auf Bundesebene. Feministische Politik lebt von Solidarität, Vernetzung und dem Mut, sich gegenseitig den Rücken zu stärken. Ich möchte die Delegation im Bundesfrauenrat nicht als Einbahnstraße verstehen, sondern als Brücke zu uns in den Landesverband: Kommt jederzeit auf mich zu – egal ob mit konkretem Anliegen, Frust aus der Praxis vor Ort oder Ideen für einen Antrag. Lasst uns Ideen teilen, streiten, Strategien erarbeiten, gemeinsam laut werden und den Feminismus hier bei uns in Rheinland-Pfalz und im Bund wieder zur treibenden politischen Kraft machen.
Ich würde mich sehr über Eure Unterstützung freuen, um diesen Kampf gemeinsam weiterzuführen.